Was hat das Gesetz mit den Engeln zu tun?

Posted by Tobias on

Was die Themen der Heiligkeit und Gerechtigkeit anbelangt, so unterscheidet die klassische Sühnetodlehre nicht wirklich zwischen dem Wesen Gottes und seinem Gesetz. Die spezifischen Eigenschaften des Gesetzes, seine Unbestechlichkeit, seine gnadenlose Funktion der Verurteilung der Übertretungen werden dann direkt auf den Charakter Gottes übertragen. Und damit Gott dann doch barmherzig sein kann, brauche es zuerst einen Ausgleich für die Gesetzesübertretungen in Form des Opfertods Jesu. Gott kann aufgrund seiner gesetzesähnlichen Eigenschaften die Sünde funktional nur zum Tode verurteilen und der Opfertod Jesu ist dann die ebenfalls gesetzeskonforme Reverse-Funktion.

Es soll hier nun keinesfalls behauptet werden, Gott sei nicht heilig und gerecht. Und doch denke ich, ist es legitim, dem Charakter Gottes die Eigenschaften heilig/gerecht und barmherzig gleichzeitig zuzuschrieben und das Gesetz Gottes als etwas zu betrachten, was von Gott verschieden ist und von dem auch erlöst werden kann. Stattdessen habe ich noch nie gehört, dass mit dem zentralen Begriff der Erlösung eine Erlösung von der Heiligigkeit und Gerechtigkeit Gottes beschrieben werde.

Aus diesen Gründen soll dem Gesetz in diesem Post besondere Beachtung geschenkt werden.

Das Gesetz und die Engel

Und hier findet sich der erstaunliche und nicht so häufig betonte Umstand, dass das Gesetz zwar schon Gottes Gesetz und seine Verordnung ist (2. Mose 20: Ich bin der Herr dein Gott usw.), jedoch dass an seiner Entstehung die Engel – also Geschöpfe Gottes – beteiligt waren.

Paulus erwähnt es zweimal:

…die ihr das Gesetz auf Anordnung von Engeln empfangen…habt. (Apg. 7,53)

Was (bedeutet) demnach das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt, bis der Same käme, dem die Verheissung gilt, (und zwar) wurde es durch Engel angeordnet (und) durch die Hand eines Mittlers (überbracht) (Gal. 3,19).

Nun könnte man zunächst denken: Die Engel sind eben dienstbare Geister und führen einfach aus, was Gott will und angeordnet hat. Ja und nein. Warum kann man es so sehen, dass die Handschrift der Engel als Mit-Urheber und Mit-Ideengeber doch höher zu bewerten ist?

In Kol. 2,1-6-23 wendet sich Paulus gegen Gesetzlichkeit in der neutestamentlichen Gemeinde, nennt sie einen Schatten der zukünftigen Güter und bringt sie in Verbindung mit der Verehrung der Engel.

Auf der anderen Seite ist die Gemeinde unter der Gnade in ihrer Selbsthingabe ein Schauspiel für Engel und Menschen (1. Kor. 4,9 und auch Eph. 3,10.11). Die Engel sollen sehen, wie das jetzt läuft, wenn das Gesetz nicht mehr als äußere Satzung gegeben ist, sondern ins Herz und den Sinn der Menschen geschrieben wird.

Es lässt sich also sagen, dass Gott in seiner Souveränität auf den Ratschlag der Engel eingehen konnte und eine Gesetzesordnung gegeben hat, um den Schaden der Sünde zu begrenzen (um der Übertretungen willen s.o.). Das Gesetz hat zunächst eine erzieherische Wirkung, aber bei seiner Übertretung eine verurteilende Wirkung. Da Gott jedoch wußte, dass die Menschen das Gesetz übertreten, hat er bereits in die Gesetzesordnung rechtlich legitime Gnadenfenster in Form der Opfergesetze eingebaut, bei denen er die Übertretungen vergibt.

Allerdings hat Gott auch bei der Stiftung des Gesetzes weitergeblickt und vorausgesehen, dass die Menschen sein Gesetz nicht nur ab und an übertreten, sondern dass sie sehr tiefgreifend nicht in der Lage sind, seine Gebote zu halten. Daher entspricht die Gesetzesordnung wohl einem Beschluss im Rat der Himmel zusammen mit den Engeln, nicht aber seinem eigenen tieferen Willen und schon gar nicht seinem Wohlgefallen.

An Brandopfern und Schlachtopfern hast du kein Wohlgefallen gefunden. Da sprach ich: Siehe, ich komme – in der Buchrolle steht von mir geschrieben, – um deinen Willen, o Gott, zu tun (Hebr. 10,6.7).

Er hatte vorausgesehen, dass das Gesetz nichts zur Vollendung bringen kann und hat deswegen selbst in das Gesetz – vor allem in die Opfergesetze – viel Prophetie auf Christus hineingelegt.

Die Erlösung vom Fluch des Gesetzes

Die Frage ist jetzt allerdings, auf welche Weise die Gesetzesordnung abgelöst wird.

Einfach zu sagen, das Gesetz nehmen wir jetzt weg, weil die Menschen es nicht halten können – das wäre in keinster Weise zielführend. Und es entspräche gerade nicht dem Charakter einer Gesetzgebung und der Intention der Gesetzgeber.

Gerade dann, wenn es am dringendsten gebraucht wird, kann man das Gesetz nicht einfach so wegfallen lassen.

Gott will ja auch in dem, was er tut, vor seinen Engeln als gerecht und weise in seinen Wegen dastehen. Ganz abgesehen davon, dass eine solche Dauervergebung auf uneinsichtige Menschen keine Lösung für eine versöhnte Beziehung zu ihm darstellt.

An dieser Stelle kann man auch deutlich sehen, dass die klassische Sühnetodlehre mit ihrem Fokus darauf, wie Gott es schafft, Sünden zu tilgen, viel zu kurz springt. Man könnte ja fastgar sagen: Sie ist irreführend im Hinblick auf die eigentliche Problemstellung. Das Hauptproblem ist nicht, dass Gott nicht Sünden vergeben könnte, sondern dass er es ständig muss!

Um den Menschen aus dieser Situation zu erlösen, braucht es ein paar mehr „Zutaten“ als nur die Möglichkeit, dass Gott in die Lage versetzt wird, Sünden zu tilgen. Nicht zuletzt braucht es einen neuen Menschen, der fähig ist, Gottes Willen zu tun. Hierin kann man die Bedeutung der Reinheit des Opferlamms erkennen (siehe https://churchinbalance.de/unschuldslamm-oder-gesetzeserfueller/).

Den Weg zu unserer Erlösung vom Fluch des Gesetzes kann dann folgendermaßen beschrieben werden:

Gott schafft den Menschen neu. Das beginnt an Weihnachten. Gott als der eigentliche Gesetzgeber stellt sich selbst unter sein Gesetz (geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan Gal. 4,4). Er lässt sich selbst für jegliche Übertretung verurteilen (er hat den gegen uns vorliegenden Schuldschein am Kreuz des Christus angenagelt Kol.2,14) und tritt die Todesstrafe an. Er wird allerdings vom Vater wieder angenommen und auferweckt und ist so der erste Mensch, der gegen die Verurteilung durch das Gesetz immunisiert ist. Er kauft quasi sich selbst aus der Gesetzesordnung heraus. Und dieses Weizenkorn, das in die Erde fällt, bleibt nicht allein. Sondern es ist der Wille des Vaters, viele Kinder zu haben und zur Herrlichkeit zu führen (Hebr. 2,10ff). Der Erlöser vermehrt sich. Er erhält einen Leib aus Kindern Gottes, die ebenfalls nicht mehr unter der Gesetzesordnung stehen, sondern von ihr losgekauft sind.