Das Kreuz – zur Erlösung oder nur zur Vergebung?

Gedanken zum Sühnetod und seinen impliziten Denkmustern

Am Kreuz hat Jesus für mich bezahlt. Für meine Sünden, für meine Schuld. Weil er an meiner Stelle in den Tod gegangen ist, deswegen vergibt mir Gott und ich kann leben. Durch den Tod am Kreuz hat sich Gott wieder mit den Menschen versöhnt und bietet allen Vergebung an. Diese Sätze unterschreiben wohl die allermeisten Christen. Ja, das Kreuz ist der Ort, wo wir unsere Schuld loswerden. Das Kreuz wird zum Synonym für Vergebung.

Wo liegt denn da jetzt ein Problem?

Das Kreuz wird zum Synonym für Vergebung. Damit wird auch die Versöhnungstat am Kreuz zu einer Vergebungstat. Reduziert auf eine Vergebungstat. Und das führt dann zu einigen schwerwiegenden Verschiebungen im Verständnis des Versöhnungswerks. Man könnte denken,

1. dass das Hauptproblem im Verhältnis zwischen Gott und den sündigen Menschen darin besteht, dass Gott nicht wirksam vergeben kann und er aus diesem Grunde die Versöhnungstat Jesu braucht

2. dass Gott ein unschuldiges Todesopfer benötigt, um überhaupt Schuld vergeben zu können. Das ist recht Moloch-ähnlich und wirft erhebliche Fragen zum Charakter Gottes auf! Viele haben deswegen ein Problem mit dem Sühnegedanken innerhalb der Versöhnungstat an sich. Gibt es denn nicht auch genügend Bibelstellen, bei denen Gott ohne Bezug zum Kreuz vergibt?

Das Kreuz, das Blut, der Tod Jesu dient zur Vergebung der Schuld. Das ist bekannt, das ist in der Breite angekommen, das ist präsent.

Fragt man jedoch nach „Erlösung“, was dieser theologische Begriff denn meint, so ruft man erstmal ein etwas intensiveres Grübeln hervor und stößt dann auf ziemlich unklare Vorstellungen mit einer gewissen Bandbreite an Antworten – auch bei langjährigen Christen. Wovon hat uns Jesus denn erlöst?

Häufig ist die Antwort, die eigentlich identisch ist mit dem Begriff der Vergebung: Jesus hat uns von unserer Schuld erlöst. Das ist auch die einzige Antwort, die mit dem Kreuz und dem Sühnetod in direkte Verbindung gebracht werden kann, ja mit diesem gleichbedeutend ist. Als weitere Antworten kann man noch hören: Von der Macht der Sünde, von der Macht des Bösen/des Teufels. Noch nie habe ich allerdings gehört: vom Gesetz. Paulus schreibt jedoch in Gal. 3,13 interessanterweise: Christus hat uns erlöst vom Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns.

Ich stelle fest, dass wir real-existierenden Christen etwas diffuse Vorstellung davon haben, was unter dem Begriff der „Erlösung“ verstanden wird und wie diese auch mit dem Kreuz zusammenhängt. Das ist umso bedauerlicher, weil die Evangelisten den Tod Jesu mit dem Thema der Erlösung verbunden habe…

…gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele (Matth. 20,28).

Auch bei Paulus ist mit dem Blut primär der Begriff der Erlösung verknüpft, erst dann der der Vergebung:

In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden (Eph. 1,7).

Dieser Beitrag soll der Frage nachgehen, was Erlösung eigentlich ist. Und vielleicht kann er dann auch bekannte Problemstellen mit dem Sühnopfer aus dem Weg räumen. Wozu brauchte Gott das Kreuz?

Eine Geschichte vom Menschen und seiner Rettung

Vor dem Anfang der Geschichte war einmal der allmächtige Gott. Der sagte zu seinem Sohn: Lass uns Menschen machen, aber nicht einen programmierbaren Roboter, sondern ein Wesen das uns gleich sei. Ein Wesen mit der Freiheit, verantwortlich Entscheidungen zu treffen. Sohn, mach dich ans Werk. Da sagte der Sohn: Das mit den Freiheitsgraden für den Menschen ist aber ein erhebliches Risiko. Was ist wenn der Mensch Schlimmes anrichtet und sich sogar gegen dich stellt? Da sagte Gott: Ja, wir müssen dem begegnen. Ich mach ein Gesetz, in dem sind alle meine Forderungen an den Menschen enthalten, und wer es übertritt, der kommt in den Tod und muss sterben. Er kommt dort auch nicht mehr heraus – es sei denn, ich bin ihm gnädig und vergebe ihm. Erarbeiten kann er meine Gnade nicht.

Da schuf der Sohn den Menschen und gab ihm alle möglichen Freiheiten, nur nicht die Freiheit gegen Gottes Gesetz zu verstoßen. Aber der Mensch hielt sich nicht daran und missbrauchte seine Freiheit. Als Antwort darauf vernichtete Gott den Menschen – aber nicht komplett, sondern begrenzte erstmal seine körperliche Lebenszeit und setzte seine Seele danach im Totenreich fest.

So vermehrten sich die Menschen weiter und weiter, aber sie hörten nicht auf, ihre Freiheit zu missbrauchen und ärgerten Gott ganz massiv, sodass er es ihn gereute, dass er die Menschen hatte schaffen lassen und sich sagte: Die Menschen haben nicht nur mein Gesetz verletzt, sondern sich auch als Person charakterlich derart zum Schlechten entwickelt. Ich will das Projekt Mensch wieder einstampfen. Doch sein Sohn, der ja alles geschaffen hatte, sagte: Halt ein, halt ein. Wir haben ja noch einen Joker: Wir sagen den Menschen jetzt ganz explizit, wie dein Gesetz aussieht. Und wenn sie es dann einhalten und nicht sündigen, dann kannst du sie ja auch wieder aus dem Totenreich holen.

Und Gott macht das so. Er löschte die Menschen nicht komplett aus und gab dem überlebenden Rest sein Gesetz in expliziter Form. Er sagte zu ihnen: Jetzt wisst ihr, was Sache ist. Jetzt kommt es wirklich auf euch an. Wenn ihr es einhaltet, dann dürft ihr leben, wenn nicht, dann nicht. Doch die Menschen hielten auch dieses Gesetz nicht und Gott vergab ihnen wieder und wieder, sogar eine Generalabsolution jährlich – ganz bedingungslos.

Irgendwann war Gott dann so genervt, dass er zu seinem Sohn sagte: Ich habe jetzt keine Lust mehr, immer wieder zu vergeben und zu vergeben und die Menschen ändern sich einfach nicht. Sie sind nicht erziehbar. Mein Gesetz ist einfach eine Nummer zu groß, es ist ein Problem für sie, sie sind charakterlich nicht in der Lage, es zu halten. Und bei denen, die mein Gesetz nur in ihrem Gewissen haben, ist es auch nicht besser. Wir müssen das Projekt Mensch doch wieder einstampfen. Es ist hoffnungslos, selbst wenn ich gnädig bin, ihnen vergebe und sie damit vor dem sicheren Tod bewahre, ändert das nichts mehr. Im nächsten Augenblick sind sie wieder straffällig.

Kannst du nicht einfach auf das Gesetz verzichten?, sagte der Sohn. Nein, denn das würde ja das Gleiche bedeuten, dass ich mich von Ihnen entfernen müsste und damit wären sie auch erledigt, sagte Gott, gerade jetzt wird das Gesetz benötigt, dringender denn je, so wie die drauf sind!

Tja, sagte der Sohn, ich sehe ein, dass du in dieser Situation das Gesetz nicht einfach abschaffen kannst. Dann gibt es wohl nur noch einen Joker. Damit lassen sich die Menschen vor der Verlorenheit retten: Mich. Ich muss in Vorleistung gehen, während diese alle noch feindlich drauf sind. Ich lass mich für alle verurteilen, dann ist diesem Gesetz Genüge getan. Dann hast du kein Recht mehr, die Menschen zum Tode zu verurteilen. Ich kauf dir die Schuld der Menschen, deren Verbindlichkeiten, quasi ab. Und dann kann ich ihnen vergeben, wie ich will.

Ja, sagte Gott, können wir machen. Allerdings muss es dir bewusst sein: Wenn dieser stellvertretende Sühnetod rechtlich funktionieren soll, dann begibt du dich in die Gewalt des Todes – und das ganz zurecht. Du wirst dich daraus nicht mehr selbst befreien können, du wirst auf meine Gnade angewiesen sein, dass ich dich da wieder heraushole. Ich muss dazu von den Sünden der ganzen Welt absehen.

Ich vertraue auf dich, sagte der Sohn.

Und da gibt es noch ein Problem, sagte der Vater. Du kannst den Menschen zwar vergeben, aber sie ändern sich dadurch ja auch nicht. Dann hast du das Problem, denn du bist ja auch Gott und so heilig und gerecht wie Gott. Der Fluch des Gesetzes ist zwar weg, aber die Forderungen an sich sind ja noch da. Dann ist das Problem ja nur um eine Person weiterverschoben!

Auch da habe ich eine Lösung, sagte der Sohn. Wenn du mich wieder aus dem Tod holst, dann gebe ich den Menschen Anteil an meinem Leben und verändere sie charakterlich von innen her. Das ist ja dann ein Leben, das nicht mehr in den Tod kommen kann und die Forderungen des ursprünglichen Gesetzes erfüllen kann. Es kommt dann nicht mehr auf die Menschen an, ich gebe ihnen alles aus Gnade.

Und so geschah es. Durch das Kreuz –  „es ist vollbracht“ – wurde die Erlösungsordnung in Kraft gesetzt.

Das Hauptproblem und seine (Er-)lösung

Ich denke, bereits aus dieser Geschichte wird ein Unterschied zum üblichen Verständnis der Versöhnungstat der Gottheit Vater und Sohn deutlich.

Das Problem ist nicht, dass Gott nicht bedingungslos vergeben könnte, sondern dass er ständig vergeben muss!

Gott vergibt bereits im AT rechtswirksam und vollgültig. Lobe den Herrn, meine Seele…der dir alle deine Sünde vergibt…usw. Ps. 103.

Vergebung hatte der Mensch bereits, der Mensch braucht aber Erlösung – und zwar aus diesem ganzen Zusammenhang Gesetz->Übertretung/Sünde->Strafe/Tod. Er braucht Erlösung aus der Heilsordnung des Alten Testaments (AT), aus der Heilsordnung des Gesetzes, das er nicht erfüllen kann. Die Sünde muss nicht nur vergeben, nein, sie muss wegschafft/beseitigt/abgeschafft werden (vgl. Hebr. 10,4 und 9,26).

Vor dem Hintergrund dieser so verstandenen Problematik erhält das Kreuz mit dem stellvertretenden Sühnetod eine ganz andere Funktion im Heilsgeschehen. Die Versöhnungstat am Kreuz wird dann nicht reduziert auf eine Vergebungstat, sondern wird zur Erlösungstat, nämlich zum Loskauf der Menschen aus der für sie ungünstigen Heilsordnung des AT.

Diese Aussage gilt wohlgemerkt unter Beibehaltung des üblichen Verständnisses vom stellvertretenden Sühnetod, nämlich das folgende:

Jesus übernimmt am Kreuz die Schuld der Welt. Infolge dessen muss er in den Tod. Aus diesem Grunde verzichtet Gott darauf, diejenigen, die das glauben – wegen ihrer Sünden zum Tode zu verurteilen, sondern er vergibt ihnen, weil Jesus bereits für die ganzen Sünden der Welt verurteilt worden ist.

Es kommt jetzt allerdings stark darauf an, in welches systematisch-theologische Modell der Heilsgeschichte der stellvertretende Sühnetod eingebettet wird, besonders was das Verständnis des Unterschieds von AT und NT anbelangt. Das führt dann zu unterschiedlichen Antworten auf die Funktion, auf das Warum des Sühnetods.

Ein heidnisches Opferverständnis?

So scheint es mir nicht vernachlässigbar, ob man glaubt, dass Gott grundsätzlich bedingungslos vergeben kann oder nicht – und es im AT bereits auch tat. Denn wenn man das nicht glaubt oder sich nicht sicher ist, dann verbleibt in diesem systematisch-theologischen Modell für eine echt wirksame Vergebung nur der Sühnetod übrig. Daraus folgt dann zwingend, dass Gott nur gegen den Tod seines unschuldigen Sohns wirklich vergeben könne. Gott braucht dann zur Vergebung ein Todesopfer. Ein solche Vergebungs-Logik zeigt deutliche Parallelen zu heidnischen Opferriten und wirft erhebliche Fragen zum Charakter Gottes auf!

Selbst wenn man anführt, dass es ja Gott selbst sei, der sich opfert und dass seine Liebe die Initiative ergriff und Gottes Zorn nicht erst durch ein Opfer besänftigt werden musste. Auch wenn gesagt wird, dass es der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes geschuldet sei, der Sünde richten muss und nicht einfach vergeben könne. – Wenn man den Opfertod zur Vergebung versteht, verbleibt die Funktion des Opfertods Moloch-ähnlich: Gib Tod eines unschuldigen Kindes rein -> hole Vergebung raus.

M. E. hat die christliche Theologie damit unbewusst Züge mancher heidnisch-religiöser Opferverständnisse übernommen. Denn es wird ja dann auch angenommen, dass durch das Opfer die Sünden der Welt komplett getilgt/gesühnt/ausgeglichen werden. Jesus nimmt die Sünden mit in den Tod, ins Grab und dort bleiben sie dann.

Gelehrt wird eigentlich eine Tod->Sühne, das biblische Verständnis des Opfers Jesu ist aber ein Sühne->Tod.

Wenn man jedoch anerkennt, dass die Menschen durch den Sühnetod Jesu von dem bedrohenden Gesetz erlöst werden, durch eine stellvertretende Übernahme aller Schuld mit Todesfolge, dann ist es sogar zwingend, dass der Sohn ohne weiteres Erbarmen und neue Gnadenzuwendung, ein neues Handeln Gottes nicht mehr aus dem Tod herauskommt (vgl. Hebr. 5,7). Der Sühnetod allein endet damit, dass Jesus im Tod bleibt. Denn sonst wären unsere Schulden ja nicht weg. Ihm geht es jetzt nicht anders, als es uns gehen würde. Mit dem Tod werden keine Schulden abbezahlt. Die Handlungsrichtung am Kreuz folgt der gleichen Logik Sünde->Tod. Sie wird nicht in eine Logik Tod->Vergebung umgekehrt.

Damit lösen sich die schwierigen Anfragen zum Charakter Gottes in Luft auf.

Eine verkürzte Heilslehre

Mit dem Verständnis des Opfertods Jesu als Todsühne werden auch die Errungenschaften des Neuen Bundes massiv verkürzt. Als das Hauptproblem im Verhältnis zu Gott wird unsere Schuld angesehen. Jesu Todsühne ist dann die Antwort auf die Schuld aufgrund von Tatsünden. Damit wird der neue Bund auf eine Vergebungsordnung reduziert. Er gleicht dem Alten Bund – nur mit Einmalopfer und Dauervergebung, die man am Kreuz bei Jesus bekommen kann.

In diesem Heilsverständnis wird Jesu Auferstehung gar nicht zwingend benötigt, denn die Todsühne leistet ja alles, was für die Versöhnung benötigt wird. Sie würde auch funktionieren, wenn Jesus im Grab geblieben wäre. Die Auferstehung steht irgendwie unmotiviert daneben, ist nicht verlinkt. Röm. 4,25 hätte Paulus dann auch verkürzt schreiben können: …welcher um unserer Gerechtigkeit willen dahingegeben wurde. Und Ende. Es fehlt dann ein gesamthaftes Verständnis des Neuen Bundes mit den beiden Elementen Kreuz (Sühnetod) und Auferstehung (neues Leben). Eine Lehre von der Heiligung ist dann sehr undeutlich in den grundsätzlichen Heilsereignissen verankert und wabert irgendwo im diffusen „simul iustus et peccator“ dahin. Und die Vorstellung, dass man durch das Einhalten von Regeln Gott zufrieden stellen könnte, ist gar nicht mehr so weit entfernt.

Das Neue Testament

Wie oben dargelegt, ist nicht die Schuld das eigentliche Problem. Sie kann auch vergeben werden und nur vergeben werden. Das eigentliche Problem ist mein Charakter, dass ich das Gesetz Gottes nicht erfüllen kann und daher dem Tod verfallen bin, solange mich dieses Gesetz verurteilen kann. Aus dieser Situation herauszukommen wäre eine wirkliche Erlösung, die diesen Namen auch verdient!

Nun hat die Menschwerdung Jesu, sein Leben, Leiden und Sterben und seine Auferweckung in ein neues Leben die Erlösungsordnung geschaffen.

Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen (Matth. 5,17)

Dieses Jesuswort kann jetzt falsch verstanden werden, als sei das Gesetz mit seinen Forderungen und den Konsequenzen bei Übertretung desselben nach wie vor ein Teil des Neuen Bundes. Dem ist aber gerade nicht so. Durch das Kommen des Erlösers wurde das Zeitalter des Gesetzes beendet und ein Zeitalter der Gnade eröffnet. Paulus schreibt davon, dass Christus des Gesetzes Ziel und Ende ist (Röm. 10,4).

Wie geht das von statten? Durch zwei Aktionen.

Erstens leistet Jesus den Forderungen des Gesetzes Genüge durch seinen Sühnetod am Kreuz. Er „erfüllt“ zunächst die Fluchseite der Gesetzesordnung. Dadurch ist das Gesetz erledigt. Innerhalb der Erlösungsordnung des Neuen Bundes ist daher die Verurteilung bei Gesetzesübertretung grundsätzlich kein Thema mehr. So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Röm. 8,1. (vgl. 1. Joh. 2,1.2).

Das ist aber nicht alles. Die Forderungen des Gesetzes an sich, ein Leben der Liebe zu Gott und den Mitmenschen zu leben, bestehen ja nach wie vor, jedoch nicht in Form eines Gesetzes. Allein durch den Sühnetod können wir diese nicht erfüllen. Nun gibt uns Jesus zweitens Anteil an seinem neuen Auferstehungsleben und erfüllt so das ehemalige Gesetz in uns, ja er geht sogar darüber hinaus (Röm. 8,3.4). Dieses Leben ist das einzige Leben, das vor Gott als gerecht gilt und mit Gott versöhnt ist. Die Auferstehung gehört daher wie das Kreuz zwingend zur Erlösungsordnung des Neuen Testaments dazu. Daher beendet Paulus in Röm. 4,25 seinen oben angeführten Satzanfang: …und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt.  Die uns zugerechnete Gerechtigkeit nimmt ihre Grundlage aus dem Leben des Auferstandenen und nicht alleine aus dem Sühnetod.

Dennoch spielt im Leben des Auferstandenen das Kreuz noch deutlichst hinein (Wundmale Christi). Denn das neue Leben Jesu ist ja das Leben des gleichen Menschen, dem zuvor am Kreuz die Schuld der Welt auferlegt wurde, das aber wieder begnadigt und vom Vater angenommen wurde. D. h. das Leben Jesu ist ein Leben, das grundsätzlich nicht mehr in den Tod kommen kann, weil es wegen aller nur denkbaren Sünde bereits verurteilt und dort war (vgl. 2. Kor. 5,21). Das ist deutlich mehr, als nur immer wieder dem alten Menschen Vergebung auszusprechen oder die Menschen wieder aus dem Tod heraus zu holen. Es ist von unschätzbarem Vorteil, da es den Tod als Gewalt ja noch gibt und noch lange geben wird. Die Eigentumsschafe Jesu wird keine Gewalt aus seiner Hand reißen (Joh. 10,28) und er verheisst seiner Gemeinde, dass selbst die Tore des Totenreichs sie nicht überwinden werden (Matth. 16,18).

Mit seinem Tod zahlt Jesus das Lösegeld zur unserer Herauslösung aus der alten Rechtsordnung in die neue. Aus der Gesetzeshaushaltung des AT in die Gnadenhaushaltung des NT. Mit Golgatha tritt das Neue Testament in Kraft: Es ist vollbracht. Die Auferweckung erledigt der Vater.